Afghanistan fünf Jahre unter Taliban-Herrschaft – Erfahrungen aus unserer Projektarbeit
Anlässlich des fünften Jahrestages der Machtübernahme der Taliban und der aktuellen Diskussion über Rückführungen nach Afghanistan hat der SWR am vergangenen Samstag über die aktuelle Situation im Land berichtet. Sabine Becker, Afghanistan-Projektleiterin von KinderBerg International, wurde hierzu für die Sendung „SWR Aktuell Baden-Württemberg“ interviewt.
Auf Grundlage ihrer 24-jährigen praktischen Erfahrung und des regelmäßigen Kontakts zu ehrenamtlichen Mitarbeitern und Familien vor Ort zeichnete sie ein differenziertes Bild, in dem die allgemeine Sicherheitslage in vielen Regionen heute als besser wahrgenommen wird. Gleichzeitig bleiben die Lebensbedingungen, insbesondere in ländlichen und abgelegenen Regionen, äußerst schwierig. Große Armut, Ernährungsunsicherheit bei Kindern, fehlende regelmäßige Einkommen und der eingeschränkte Zugang zu medizinischer Versorgung prägen den Alltag vieler Familien.

Besonders besorgniserregend ist die Situation von Frauen und Mädchen. Die Einschränkungen bei Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe haben weitreichende Folgen – für die Frauen selbst, aber auch für die Zukunft der gesamten Gesellschaft.
Aus ihrer praktischen Arbeit ergibt sich zugleich, dass ein gewisses Maß an Zusammenarbeit mit den de-facto-Behörden notwendig ist. Für sie bedeutet dies keine politische Anerkennung der Taliban-Herrschaft, sondern einen pragmatischen Umgang mit den bestehenden Strukturen, um die Menschen vor Ort weiterhin erreichen und unterstützen zu können – ohne dabei die eigenen Werte und die eigene Haltung aufzugeben.
Besonders alarmierend ist für KBI die nachlassende internationale Aufmerksamkeit für Afghanistan, obwohl die Not vieler Menschen weiterhin groß ist. KBI wünscht sich deshalb, dass Afghanistan und seine Menschen nicht aus dem Blick geraten und insbesondere medizinische Versorgung, Frauen und Kinder sowie langfristige Perspektiven weiterhin unterstützt werden.
Als eine der wenigen verbliebenen Organisationen arbeitet KBI weiterhin mit privaten Spendenmitteln vor Ort und versucht, Hilfe möglichst direkt dorthin zu bringen, wo sie dringend gebraucht wird.
Das vollständige Interview ist ab Minute 4 zu sehen:



