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Afghanistan: Neue Gesetze, alte Gewalt – eine humanitäre Krise spitzt sich zu

Stand 13.02.2026 : Mit einem neuen Strafgesetzbuch haben die Taliban Anfang 2026 ihre Macht weiter gefestigt – und zentrale Grundrechte faktisch außer Kraft gesetzt. Selbst Kritik am Regime kann strafrechtlich verfolgt werden. Rechtsstaatliche Prinzipien wie anwaltlicher Beistand, Schweigerecht oder Schutz vor willkürlicher Festnahme sind nicht mehr gewährleistet. Die verbindliche Auslegung durch die Führung des sogenannten „Islamischen Emirats“ macht Rechtsprechung endgültig zum Instrument politischer Kontrolle.

Gesellschaftlich verordnete Ungleichheit

Besonders gravierend ist die offizielle Einteilung der Bevölkerung in unterschiedliche gesellschaftliche Klassen – mit direkten Auswirkungen auf Strafmaß und Behandlung. Während privilegierte Gruppen Sonderrechte genießen, drohen sozial Schwächeren harte Strafen. Rechtsgleichheit besteht de facto nicht mehr. Selbst Begriffe wie „Gholam“ (Sklave) finden sich als juristische Kategorien wieder. Internationale Beobachter sprechen von einer systematisch verfestigten Klassengesellschaft, in der Würde und Rechte vom sozialen Status abhängen.

Frauenrechte weiter massiv eingeschränkt

Frauen und Mädchen tragen die Hauptlast dieser Entwicklung. Neue Bestimmungen greifen tief in ihr Privat- und Familienleben ein – von Bewegungsfreiheit über Bildungs- und Erwerbsmöglichkeiten bis hin zur körperlichen Selbstbestimmung. Gewalt im häuslichen Umfeld wird faktisch relativiert, Schutzmechanismen fehlen. Betroffene Frauen müssen Übergriffe selbst beweisen – in einem System, das ihnen weder unabhängige Vertretung noch verlässlichen Rechtsschutz bietet.

Der World Report 2026 von Human Rights Watch dokumentiert für Afghanistan eine fortschreitende Institutionalisierung von Entrechtung und Unterdrückung. Menschenrechtsverletzungen seien strukturell verankert und prägen zunehmend den Alltag weiter Teile der Bevölkerung.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier: World Report 2026 

Hunger, Armut und ein kollabierendes Gesundheitssystem

Parallel zur politischen Repression wächst die humanitäre Not dramatisch. Millionen Menschen sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Das Welternährungsprogramm warnt vor weiter steigenden Hungerzahlen.
Auch das Gesundheitssystem steht unter massivem Druck: Mutter-Kind-Einrichtungen schließen, da weibliches Fachpersonal fehlt oder nicht arbeiten darf. Medikamentenengpässe nehmen zu. Präventive Versorgung und Familienplanung sind zunehmend eingeschränkt oder faktisch nicht mehr zugänglich. Frauen und Kinder sind besonders betroffen – gesundheitlich wie sozial.

Unsere Verantwortung bleibt

Trotz dieser extrem schwierigen Rahmenbedingungen setzt KinderBerg International seine Hilfe in Afghanistan fort – umsichtig, verantwortungsvoll und konsequent am Bedarf der Schwächsten orientiert.
In den Provinzen Badakhshan, Kunduz und Kabul unterstützen wir besonders benachteiligte Familien mit schwer kranken Kindern. Neben medizinischer Versorgung ermöglichen wir dringend notwendige Behandlungen und begleiten Familien sozial, um ihre Lebenssituation nachhaltig zu stabilisieren.
Unser Ziel ist es, das Überleben einzelner Kinder zu sichern, ihre Gesundheit zu stärken und damit ganze Familien in existenzieller Not zu unterstützen und Perspektiven zu erhalten.

Afghanistans Stimmen sind leise geworden. Doch sie sind nicht verstummt.

Wo Recht zu Unrecht wird, braucht es Solidarität.
Wo Hoffnung schwindet, braucht es Verlässlichkeit.

KinderBerg International bleibt –  hilft und Ihre Unterstützung macht diesen Einsatz möglich.

Das "Tugendgesetz" der Taliban – Frauenrechte in Afghanistan unter massivem Angriff

Seit der Rückkehr der Taliban verschärfen sich die Repressionen gegen Frauen in Afghanistan dramatisch. Das bereits im Juli 2024 neu erlassene „Tugendgesetz“ verbietet ihnen unter anderem, in der Öffentlichkeit laut zu sprechen oder zu singen, da ihre Stimmen als „zu intim“ gelten. Diese perfiden Verhaltensregeln, die durch die Sittenpolizei streng überwacht werden, treiben die systematische Geschlechter-Apartheid weiter voran. Frauen werden zunehmend nicht nur aus dem öffentlichen Leben verdrängt, sondern auch in ihrem privaten Umfeld zum Schweigen gebracht.
Mit den neuen sogenannten „Tugendgesetzen“ schränken die Taliban afghanische Frauen extrem ein. Dieses Gesetz stärkt die Sittenpolizei, die die am islamischen Scharia-Recht orientierten Verhaltensrichtlinien der Taliban bereits seit deren Rückkehr an die Macht im Jahr 2021 kontrolliert. Afghanistans Frauen verlieren dadurch ihr Gesicht und ihre Stimme.
Die UN-Unterstützungskommission für Afghanistan (Unama) hat den Sittenwächtern bereits in der Vergangenheit vorgeworfen, ein „Klima der Angst“ in Afghanistan zu schaffen. Die Erlassungen und einige Methoden zu deren Durchsetzung stellen einen klaren Verstoß gegen die Menschenrechte und fundamentalen Freiheiten dar.

Wir geben den Frauen Afghanistans eine Stimme und schenken ihnen ihre Menschlichkeit zurück.

Dieses Schweigen muss durchbrochen werden – jede unterdrückte Stimme ist eine zu viel. KinderBerg International setzt sich wo immer möglich mit aller Kraft dafür ein, Frauen und Mädchen in Afghanistan Gehör, Würde und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Durch Gesundheitsversorgung, Bildung und soziale Unterstützung schaffen wir Chancen, damit sie nicht vergessen werden.
Wo Unterdrückung herrscht, gibt es Hoffnung – und Ihre Unterstützung zählt!

UNSERE PROJEKTE

Afghanistans Gesundheitskrise

In Afghanistan hat sich die Gesundheitsversorgung, insbesondere für Frauen, nach einem Bericht der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) seit der Machteroberung der Taliban zunehmend dramatisch verschlechtert.

Menschenrechtsverletzungen und Terror der Machthaber, sowie die drastischen Kürzungen ausländischer Hilfszahlungen, von denen Afghanistan stark abhängig ist, haben zu einer der schlimmsten humanitären Krisen der Welt geführt. Millionen von Afghaninnen und Afghanen sind in extreme Armut gefallen und nicht mehr in der Lage ihre medizinische Behandlung zu bezahlen. Durch die systematische Einschränkung der Bewegungsfreiheiten und dem Bildungsverbot für Frauen verschärft sich die Krise zunehmend. Eine weitere Verschlimmerung der Zustände ist zu befürchten, da für Frauen wenige Möglichkeiten bleiben, sich im medizinischen Bereich fortzubilden und die Hälfte aller potenziellen Medizinstudierenden nicht studieren darf.

Auch unsere Arbeit als Hilfsorganisation vor Ort ist von der dramatischen Lage betroffen und alleine durch telemedizinische Betreuung von schwerkranken und sozialschwachen Kindern und deren Familien ist zum jetzigen Zeitpunkt Hilfe möglich. Lesen Sie hier wie wir durch Telemedizin so viele notleidende Menschen wie möglich zu erreichen. (12.02.2024)

UNSERE PROJEKTE

Hilfe für ukrainische Flüchtlinge mit besonderen Bedürfnissen

Stuttgart, 17. Juni 2022 – Nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine ist die Not der Menschen groß. Auch KinderBerg International hilft durch die Unterbringung und psychosoziale Versorgung von geflüchteten, alleinstehenden Frauen und deren Kinder, welche auf Grund von besonderen medizinischen oder sozial-psychologischen Bedürfnissen eine enge Betreuung im familiären Umfeld benötigen.
Aktuell steckt KinderBerg mitten in den Projektvorbereitungen: In Stuttgart entsteht, in einem großen Haus mit Garten, eine Zuflucht für bis zu 25 Personen.

UNSERE PROJEKTE

Wir arbeiten weiter in Afghanistan

Feyzabad, 12. Mai 2022 – KinderBerg International hält sein Versprechen und ist in Afghanistan geblieben, um  trotz der schwierigen politischen Lage seine Projekte fortzusetzen und den Menschen in Ihrer Not beizustehen und Sie nicht im Stich zu lassen.

Täglich wächst die Anzahl der Menschen, die vor unserer Tür stehen und uns um Nahrung, warme Decken, Kleidung und einen Arzt oder überlebenswichtige Medikamente bitten. In den letzten 20 Jahren standen wir noch nie vor so einer massiven humanitären Herausforderung wie heute.

Damit wir alle geplanten Projekte umsetzen können und so viele notleidende Menschen wie möglich erreichen benötigen wir Ihre Spende!

Mehr Informationen zu unseren aktuellen Projekten…

Impfhelfer in Afghanistan getötet

Die Vereinten Nationen haben die Ermordung von acht Polio-Impfhelfern an vier Orten im Norden Afghanistans am Donnerstag verurteilt. Dies sind die ersten Angriffe dieser Art seit der Wiederaufnahme der landesweiten Impfkampagnen im vergangenen November. Es handelt sich glücklicherweise nicht um KinderBerg Mitarbeiter.

Ein Mitglied des Impftransit-Teams wurde im Bezirk Taloqan in der Provinz Takhar getötet, während vier Mitglieder der Haus-zu-Haus-Teams bei zwei getrennten Vorfällen in der Stadt Kundus ermordet wurden, wie das UN-Länderteam mitteilte.
Im Bezirk Emamsaheb in der Provinz Kunduz wurden zwei Impfbeauftragte und ein sozialer Mobilisator getötet.

Nach dem Blutbad setzten die Vereinten Nationen die nationale Polio-Impfkampagne in den Provinzen Kunduz und Takhar unverzüglich aus. (Februar 2022)

Artikel auf der Webseite der Vereinten Nationen

Global Humanitarian Overview für 2022 veröffentlich

Das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA oder UNOCHA) hat am 2. Dezember 2021 seinen neuen „Global Humanitarian Overview“ für das Jahr 2022 ausgegeben. (Klick auf das Bild zum Öffnen)

Die humanitäre Lage in der Welt wird im Jahr 2022 drastisch schlechter, insbesondere auch in Afghanistan.

Auszüge:

 

Im Jahr 2022 werden 274 Millionen Menschen [weltweit] humanitäre Hilfe und Schutz brauchen.

In Afghanistan benötigen mehr als 24 Millionen Menschen lebensrettende Hilfe zur Vorbeugung einer Katastrophe. Dies ist eine dramatischen Bedarfssteigerung, getrieben durch eine Kombination von Konflikten, COVID-19, politischen Unruhen, wiederkehrenden wirtschaftlichen Schocks und die schlimmste Dürre seit 27 Jahren.

FAQ - Häufig gestellte Fragen

Bisher wurden keine nationalen Mitarbeiter / Ortskräfte von uns aus Afghanistan evakuiert. Der Grund dafür ist, dass nur diejenigen Ortskräfte einer deutschen Hilfsorganisation evakuiert werden können, deren Gehalt über ein bilaterales Projekt der Entwicklungszusammenarbeit (BMZ) finanziert wurde und deren Leben aufgrund dessen in Gefahr ist. Lokale Projektträger sind hiervon vom BMZ ausgenommen worden. Da unsere Projekte mehrheitlich von privaten Spendengeldern oder dem Auswärtigen Amt finanziert wurden, sind die wenigsten unserer Mitarbeiter antragsberechtigt. Das Auswärtige Amt evakuiert nur Ortskräfte, die einen direkten Vertrag mit der deutschen Bundesregierung haben (Bsp. Übersetzer der deutschen Botschaft, der Bundeswehr, etc.). Die wenigen Mitarbeiter, die von uns für BMZ Projekte angestellt wurden und keinem lokalen Projektträger angehören sind nicht von der derzeitigen Regierung nachweislich bedroht. Sie leiden wie alle anderen Afghanen unter der schlechten sozialen Lage im Land. Niemand aus dieser grundsätzlich antragsberechtigten Gruppe ist in Gefahr aufgrund seiner Tätigkeit für KinderBerg International e.V. Daher ist keiner unserer derzeitigen und ehemaligen Mitarbeiter für eine Evakuierung nach Deutschland antragsberechtigt. Sofern die Antragsbedingungen vonseiten der deutschen Regierung geändert werden, werden wir dies hier veröffentlichen und berücksichtigen. Derzeit bitten wir von weiteren Evakuierungsanfragen Abstand zu nehmen. Wir haben am 6.9.2021 eine komplette Liste aller 627 lokalen Mitarbeiter, die seit 1.1.2013 für uns gearbeitet haben an das BMZ und das AA übergeben. Diese anonymisierte Liste können Sie nachfolgend einsehen.

 

Historie der Ereignisse / History of the Events:

Liste der lokalen Mitarbeiter (anonymisiert) / Local Staff List (anonymous)

Wenn Sie uns gespendet haben, erhalten Sie eine Spendenbescheinigung am 31. Januar des darauffolgenden Jahres.

Da manche Spender monatlich spenden, andere jährlich ist es für uns leichter eine Jahresspendenbescheinigung zu Beginn des darauffolgenden Jahres auszustellen.

Hin und wieder erhalten wir Spenden am 1. oder 2. Januar und danach Anrufe von Spendern, die sich wundern, warum sie keine Spendenbescheinigung für das Vorjahr erhalten haben. Dies liegt daran, dass sie am 31.12. des Vorjahres gespendet haben und die Spende erst im nächsten Jahr bei uns eingegangen ist. Wir können jedoch immer nur das bestätigen was auf unserem Kontoauszug steht und somit auch erst im Folgejahr eine Spendenbescheinigung ausstellen.

Falls Sie Ihre Spendenbescheinigung verlegt oder haben können wir Ihnen gerne eine Kopie ausstellen. Schreiben Sie uns hierzu an info@kinderberg.org eine Mail und geben Sie Ihren Namen, das Datum, wann Sie die Spende überwiesen haben und den Betrag, sowie sicherheitshalber Ihre Adresse an.

Wir können nur Spendenbescheinigungen an Personen ausstellen von denen wir bei der Spende im Verwendungszweck die vollständige Adresse erhalten haben.

Zusammen machen wir die Welt besser

KinderBerg International e.V.

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